🐑 Gotland – Fårö – Woche 2

Woche 2

Sonnabend, 14. August 2021

 Nun sitze ich in der schon bald tiefstehenden Sonne und Windboen umspielen mein Gesicht. Die Sonne wärmt trotzdem noch. Es ist bald Abend. Gestern hatte ich den Tag nichts gemacht, mal Zeit gehabt einfach nur so da zu sitzen. Nachmittag wollte ich an den Strand aber daraus wurde wegen des verregneten restlichen Tages nichts. Bis Mittag war es noch schön sonnig mit einzelnen Schäfchenwolken. Dann habe ich eben einfach herumgedöst und gelesen oder Fotos bearbeitet. Aber dann dachte ich mir so, bevor ich morgen auf der Weiterfahrt nach Visby den Abstecher nach Ljugarn unternehme, mache ich das doch lieber heute noch. Also bin ich einfach losgedüst. 

Zuerst zu einem Loppis, den es aber nicht mehr gab. Dann weiter und es wurde ein noch so schöner Nachmittag, an den Felsen, Sonnenschein, das Meer und dann legte ich mich einfach an die Felsen, eine Decke habe ich mir ja mitgenommen. Abends hatte ich einfach mal Hunger auf Fisk, ich aß 2 Stullen und dazu eine Büchse Fisch, die sich doch in einer Schublade verbarg. Dann passierte mir doch ein Malheur. Ich wollte es mir auf dem Bett schön gemütlich machen mit einer Tasse Blaubeertee. Draußen gab es ein Gewitter mit einem kräftigen Regenguss. Sonst stelle ich die Dinge immer aufs Tablett aber es war ja nur die Tasse Tee. Patsch, war es passiert. Der heiße Tee über´s Buch, Handy und einer Ecke vom Bett. Zuerst das Handy retten. Dann irgendwie schnell mit Handtüchern alles andere trocknen. Aber der Tee ging bis auf den Auflieger. Na gut, den Bezug kann man ja waschen. Bettwäsche und Bettdecke musste ich gleich trocknen. Ich zog alles ab und hängte es einfach über Tisch und Sitz und dann schaltete ich einfach die Lüftung für eine Weile auf höchste Stufe. Das war die Lösung. Bis zum schlafen gehen war dann alles getrocknet und es blieben nur noch leicht lilafarbene Flecken und ein leichter Fruchtgeruch übrig. Damit konnte ich leben. 

Sonntag, 15.  August 2021

Vor 11 Uhr vormittags bin ich nicht losgekommen. Warum auch, ist Sonntag und Urlaub. Auf der Strecke von 10 Kilometern hatte ich schon 3 Loppis, aber jedesmal die Einfahrt verpasst. Dann bekam ich die Kurve zu einem ganz kleinen Loppis. Ein kleiner Schuppen im Garten der Besitzer.  Loppis stand auf dem Schild. Er war echt niedlich dieser kleine Schuppen. Hier gab es die Kasse des Vertrauens in einer kleinen Schale oder eben swish. Das ist ja wirklich genial, nur leider nicht für Touristen. Ich fand gleich eine rot-schwarz-karierte Bluse, die war so cool für 10 kr. – eigentlich wollte ich keine Sachen zum Anziehen vom Flohmarkt nehmen, aber sie sind ja wirklich ordentlich und sauber.  Bei diesem Loppis jedenfalls. Dann fand ich wieder was mit Kupfer, einen Kessel, den ich aber zweckentfremde als Blumenkanne oder einfach halt zum hinstellen. Und für Mutti was aus Kristall, ein ganz kleines Kännchen für Kaffeesahne und für Zucker ein kleines Schälchen passend dazu. Sehr hübsch, darüber wird sie sich freuen, Mutti mag kleine praktische Dinge aus Kristall. Dann für Katrin etwas aus Messing und ich glaube aus Nickel ein klitzekleines Tablett mit Kännchen und Schälchen. Alleschen, ´chen, ´chen. Da legte ich nun einen Tschugoschein (20 Kronen) und einen 10 Kronen Pengarna in die Dose. Dann hatte ich jetzt noch 2 x 500 Kronen Scheine. Plus 30 Kronen klein. Da hatte ich noch nicht in irgendeiner Weise daran gedacht, dass mir die ja jemand wechseln müsste. Aber keiner hat mehr soviel Bares in den Loppis. Ich fand nämlich noch einen wo ich Kleinigkeiten auch für 30 Kronen erstand. Ich wollte das Geld aber nicht irgendwo hinlegen. Dann wollte ich aus dem kleinen Gartenhaus herausgehen und sah diese kleine Fensterlampe, die ja so da hing aber nicht zu verkaufen war. Da war kein Pris dran. Und sie war mit einer Zeitschaltuhr angesteckt. Aber genau so eine schwebte mir seit letzten Sommer vor als ich im Ferienhaus in Mellbystrand war. Diese hier gefiel mir sogar noch besser weil sie alt war. Ich musste einfach fragen Also klopfte ich einfach am Haus und es kam eine ältere Frau heraus. Ich bezahlte erst einmal meine Schätzchen für 30 Kronen und frug nach der Fönsterlampa. Sie rief ihren Mann heran, ja, dass fanden sie recht amüsant und ich betonte lieber noch mal das ich die Lampe im Fenster meinte. Ich steckte sie extra um, um zu schauen ob sie ging. Und durch die dunkle Birne leuchtete sie so schön warm. Ich war hin- und weg. Im Winter freue ich mich schon, wenn sie an unserem Küchenfenster hängt. Der Mann kam nochmal mit und ich zeigte sie ihm. Ja, sagte er, es sei okay und baute sie ab. Für 60 Kronen wollte ich sie haben. Dann begann das schon erwähnte Dilemma mit den 500 Kronen Scheinen, was ungefähr 2 Stunden dauern sollte bis ich dieses Problem löste. Also, er konnte natürlich nicht wechseln. Ich versprach wiederzukommen und er packte sie mir auf den Schrank. Dann fuhr ich von Loppis zu Loppis. Bei einem wo ich schon gestern war, der aber schon zu war, fand ich einen alten Hocker – 50 Kronen. Der war echt schön mit Einlegeboden drin. Aber die nette Frau konnte auch nicht wechseln. Ich sprach sogar ankommende Schweden an, manchmal ist ja dumm. Ich wollte auch hier unbedingt wiederkommen. Dann fiel mir im Moment nichts ein. Ich fahr nochmal nach Aminne. An der Reception hat sie ja gefragt ob Kontanter oder mit Karte bezahlen. Also müsste sie doch auch Bargeld da haben. Angekommen, Reception zu. Erst 15 Uhr wieder auf. Ich klopfte und hatte Glück, sie war noch da aber konnte den Schein auch nicht wechseln. Im Restaurang auf dem Resort auch nicht. Die nehmen und haben gar kein Bargeld mehr. Einen Schwede, der vor mir mit seinem Wohnmobil stand, fragte ich aus dem Fenster heraus ob er mir helfen könnte. Er verstand mich einen Moment falsch und dachte ich möchte Euros getauscht haben. Dann sagte er: geh doch eine Cola kaufen und den Rest sollen sie mir auszahlen. Ich sagte, dass sie gar kein Bargeld mehr nehmen. Strong, meinte er, im ironischen Sinne. Er war noch vom alten Schlag, so ein netter Oldscooltyp eben. Hätte noch einen Cowboyhut aufhaben müssen. Dann sah ich meine Möglichkeiten schwinden und fand mich schon fast damit ab die Loppisschätzchen zu bekommen. So – jetzt noch den letzten Loppis gleich nach der Ausfahrt von Aminne Camping & Stugor. Wenn es dann nicht klappt, dann war es das. Reingebogen, 1 Kilometer stand auf dem Schild. Dann staubiger Schotterweg, ich fluchte, Mist, der 1 Kilometer ist doch schon längst vorbei – hier ist nie und nimmer ein Loppis. Okay, da kam das Schild, gleich mit auf dem Hof war eine Bilverstad – Autowerkstatt. Der Chef fummelte an einem schicken, roten Oldtimer herum. Ich stöberte im Loppishäuschen. Nix zu machen hier, mit der Wechselei. Dann hab ich einfach den Chef gefragt. Der sagte: ja, kann er wechseln, wie ich es haben möchte. Also 200, 200 und 100 Kronen. Er holte die Scheine aus dem Wohnhaus und ich traute mich zu fragen ob es denn noch kleiner geht. Ja, geht. Ich war so baff. Ich wollte nun also alles in 20 und 50 Kronen Scheine haben. Er staunte nur, wahrscheinlich ein wenig ungläubig. Wir gingen ins Werkstattbüro. Ich bekam alle seine 50er und den Rest in 20er- Scheinen. Ich sagte ihm: da muss ich einfach in eine Autowerkstatt kommen um Geld klein gemacht zu bekommen. Keine Ahnung ob er den Witz verstand. Sicher war es ein Gesprächsthema für ihn heute. So glücklich darüber holte ich mir nun die Sachen aus den Loppis, wo ich versprach wieder zu kommen. Nun konnte ich nach Visby weiterfahren. Aber ein kleiner Loppis am Straßenrand lockte mich doch noch mal. Nun aber – till Visby. 

Montag, 16. August 2021

 Mal schauen was ich heute so machen kann. Nun, ein wenig eingeschränkt durch´s Wetter überlege ich ,ob ich ringsherum so einiges anschaue und jetzt losfahre oder ob ich einfach durch Visby die Ringmur mit den Türmen und Bögen ablaufe.  Gerade ist es erst 9 Uhr. Also Zeit zum überlegen ist reichlich. 

Ich bin einen großen Teil der Ringmur heute abgelaufen und habe noch so einige neue Ecken entlang dieser Strecke entdeckt. Schön war´s, am Abend war ich ausgelaugt und das habe ich dann in meinen Beinen  gespürt. Was soll´s. Es war einfach entspannend so los zulaufen und etwas zu erkunden.  Und ich habe mich gefreut wieder ins Historiska Smycken zu gehen. Ein klitzekleines Geschäft mit Gold-, Silber- und Bronzeschmuck als Replikationen der Wikingerzeit. Ich habe auch wieder meine Schwedischkenntnisse angewendet und Mikael sagte auch, dass ich schon gut schwedisch spreche. Sowas beflügelt mich. Auf dem großen Platz – dem Stora Torget waren noch 2 Stände mit Schmuck, nicht teuer, da auch viel Edelstahl dabei war. Dann kamen zwei Frauen und fragten speziell nach Gotlandringen. Ich wusste erst gar nicht was für welche Ringe das sein sollten. Vielleicht etwas besonderes hier? Nun weiß ich es und kaufte mir einen aus Edelstahl für 150 Kronen. Solche Gotlandringe sind Reproduktionen oder Replikationen von Fundstücken aus der Wikingerzeit. Dann zog mich wieder die St. Karins Ruin magisch an und ich machte meine Videos in Zeitraffer. Das 2. Mal bin ich nun in Visby und hier ist es anders als im restlichen Schweden. Einmal mehr merkt man hier die Gemütlichkeit und die Gelassenheit, den Tag anzugehen. Hier kann man sich wirklich den psychischen Stress abstreifen wie eine alte Jacke. Und kurz mit anderen Worten ausgedrückt, Visby macht süchtig. In der Kirchenruine könnte ich so lange verweilen, Leute kommen herein und bleiben nur für einen Augenblick. Aber ich könnte hier wirklich in jeder Ecke sitzen und die sich immer wieder verändernden Lichtspiele bewundern. Es war schon nach 19 Uhr und mir viel ein, dass ich ja noch eine halbe Stunde zurücklaufen muss. 

 

Die Formensprache aus der Wikingerzeit, besser gesagt aus dem frühen Mittelalter, fasziniert seit langem den Betrachter. Unser alter Schmuck hat seine Form von altnordischen, keltischen und manchmal skythischen Artefakten. Einige unserer Schmuckstücke sind sogar exakte Kopien, andere sind von Bildern oder Skulpturen inspiriert. Willkommen, um sich historisch zu dekorieren.

Dienstag, 17. August 2021

 Auf Google Maps habe ich mit dem Finger über der Landkarte einen Punkt gesucht, was ich in der näheren Umgebung noch besuchen könnte. Da war oberhalb also nordwestlich von Visby Lickershamn mit der Raukar „Jungfrun“. Aber ich mochte irgendwie keine Kalksteinfiguren mehr sehen also entschloss ich mich südwestlich an der Küste entlang zu fahren. Da waren die Hogklint. Eine Kalksteinklippe, 40 Meter über dem Meer. Und es war außerordentlich beeindruckend. Als ich ankam, war es windstill, auf dem Parkplatz jedenfalls. Endlich wieder Drohne fliegen. Ach, zu früh gefreut. Oben war ich nicht ganz sicher, aber ich ließ es auf einen Versuch ankommen. Also ließ ich meine DJI-Mavic-Mini ein paar Mal in die Lüfte steigen und machte, für mich jedenfalls ausreichend, schöne Aufnahmen. Dann kam ein Mann auf mich zu und fragte ob es die Mavic Mini ist. Wir tauschten Erfahrungen und zeigten jeder seine Aufnahmen. Er war mit seiner Familie da, Frau und schon große Tochter. Sehr nett. Ich möchte behaupten, sie unterhielten sich polnisch oder russisch. Ich weiß nicht genau. Aber sie sind Schweden, sah ich am Nummernschild ihres schon in die Jahre gekommenen Auto´s. Ich wünschte eine gute Reise und alle 3 winkten mir zu. 

Mittwoch, 18. August 2021

MIN KATT ODIN DOG IDAG.

Ich musste einfach raus und mich ablenken. Der Tag war so unwirklich. So, so traurig dieser Tag. Ich packte das Fahrrad raus und fuhr in Richtung Stadt am Uferwall entlang. Der starke Gegenwind ließ mich fast auf der Stelle trampeln aber die körperliche Anstrengung verdrängte für einige Zeit den noch großen Schmerz ums Katerchen. Es hätte regnen können und mir ins Gesicht peitschen und ich hätte nach ihm gesucht. So verzweifelt, so traurig um den Verlust. So wie Holly Golightly ihre namenlose Katze sucht nachdem sie kurz zuvor sie aus dem Taxi gesetzt hatte. Ich verbrachte den Tag in Visby. 

Donnerstag, 19. August 2021

Zeitig aufstehen war heute der Tagesanfang. Ich hatte noch 2 Minuten auf meine Duschkarte und konnte auch in Ruhe frühstücken. Um 7:30 Uhr ging die Fähre wieder zurück auf´s Festland. Die lange Strecken von über 4,5 Stunden steckte in in Teile ab. Als erstes machte ich Halt am Giraffen-Center. Nur mal schnell durchgeschlendert. Es findet sich auch tatsächlich immer etwas im Sale oder REA. Noch einige wichtige Sachen am Telefon erledigt und meine Route führte mich nun endlich zur Loppisskolan kurz nach Kalmar. Eine Stunde habe ich mir vorgenommen, es gab hier einfach wahnsinnig viel Zeug´s. Alles sauber und liebevoll arrangiert, hier und da ein wenig staubig, aber das macht ja auch den Charm von so alten Sachen aus. Ich fand dann auch eine ganze Tüte voll, sehr viel Porzellanschätzchen. So kleine Dosen aus Porzellan. Und ich gucke auch nach den Punzen bzw. Fabrikstempeln an der Unterseite. Es war vorwiegend aus Bavaria und auch einige Manufakturen aus Schweden waren dabei. Nichts wertvolles aber für mich schon, weil sie schon ein „Leben“ hatten. Ich liebe diesen alten Schnickschnack, schön anzusehen vor allem aber sinnvoll. Für mich. Dann wollte ich das nächste Ziel anfahren, gab Karlskrona ein, denn das dortige Marinemuseum war echt interessant und auch die ganze Anlage ringsherum. Gerade nun passierte aber ein Malheur mit meiner Tretford-Toilette. Eh ich den Schaden behoben hatte und weiterfahren konnte hatte ich definitiv keine Lust mehr auf Museumsbesuch. Ich fuhr weiter nach Karlshamn. Ich wollte auf die Schnell noch nach einem Korbstuhl gucken. So steuerte ich JYSK und RUSTA an. Leider nicht das Passende für Wolfgang dabei. Ich hätte ja einen Favoriten gehabt, schickte ihm ein Foto. Er meinte, der Sessel sieht aus wie aus den 60er´n. Ja, meinte ich, genau wie du. Nun musste ich noch über 2 Stunden fahren nach Simrishamn zum Tobisviks Camping. So groß hätte ich ihn nicht erwartet. Dementsprechend stand ich auf dem Platz in der vorletzten Reihe und musste zum Servicehus gefühlt ewig laufen. Egal, ich wollte ja nur übernachten. 

Freitag, 20. August 2021

Auch heute fuhr ich zeitig los. Bis Ystad war es ungefähr 40 Minuten. Da waren sie wieder, diese schonischen Landschaften mit so weiten Feldern. Ich hatte über eine Stunde Zeit und lief zum Marktplatz. Da sah ich schon von weitem einen Stand mit „Österlenkatten“. Das passt ja genau, dachte ich so bei mir. Wie ein Zeichen. Ich habe die ganze Zeit seit Mittwoch nach einer Katze aus Keramik oder Porzellan, jedenfalls handmade, gesucht. Da lag sie nun auf dem Tisch. Ein Andenken an Odin, zusammengerollt und kuschelig schlafend. Ich war so fasziniert. 100 Kronen gab ich gerne. Ich war sehr glücklich ein so schönes Andenken gefunden zu haben und traurig zugleich. Nun konnte es auf Heimreise gehen. An der Fähre ließen mich die Einweiser zuerst rückwärts die Rampe hoch fahren. Okay, na gut. Ich kann gut mit den großen Seitenspiegeln rückwärts fahren, außerdem habe ich noch die Kamera hinten. Kurz bevor ich auf der Fähre war, sagte er mir, nein, ich kann doch vorwärts hoch, das war ein Missverständnis. Also bin ich eine Runde um die beiden Männer rum und unter Beobachtung von den anderen Fahrgästen, die schon an der Reling standen, hochgefahren. Die beiden Einweiser lachte und zeigten mir den Daumen hoch, meinten noch: gutes Fahrtraining. So lustig gehen nun die 2 Wochen zu Ende. Eine Tour wird es in diesem Jahr noch geben, im Oktober eine Woche.