🐑 Gotland – FĂ„rö – 2 Wochen im August 2021

Woche 1

Freitag, 06. August 2021

 Anreise – Also wie immer konnte ich nicht schlafen und habe mir eingebildet ich könnte die FĂ€hre frĂŒh um 8 Uhr bekommen. Ich weiß nicht ob eine reale Möglichkeit bestand, dass jemand abgesprungen sein könnte. In meiner Vorstellung schon. Ich fuhr halb 2 Uhr nachts los und um 7 Uhr war ich so mĂŒde, dass ich auf einem Parkplatz hielt und mich einfach hinlegte  und 3 Stunden schlief. Alles andere wĂ€re einfach gefĂ€hrlich geworden. Nun ja. Diesmal war die FĂ€hre echt voll. Eh die Leute sich endlich mal einen Platz suchten, wuselten sie auf der ganzen FĂ€hre rum, samt Hunden und kleinen Kindern. Der GerĂ€uschpegel war dementsprechend anstrengend. Endlos dann auch die Fahrt von knapp 3 Stunden nach Kristianopel Resort. Aber hier entschĂ€digt auch wieder die Natur und der nötige Abstand zu den Menschen. Nur bisschen Smaltalk hier und da. Das reicht erst mal fĂŒrs ankommen im Urlaubsfeeling. So verbringe ich nun auch den

Sonnabend, 07. August 2021

völlig stressfrei und ohne genauen Plan. Mittag rum spaziere ich auf dem Ringwall, der um das Resort herumgeht, leg mich ein bisschen an den Strand und lass einfach die Zeit vergehen und die Sonne sich zum Abendhimmel schieben. 

Sonntag, 08. August 2021

 Irgendwie hatte ich beim Abstecher nach Kalmar, mir vorgenommen das Schloss zu besichtigen. Um einen guten Einstieg zu haben und entspannt den Tag bzw. schon den Mittag anzugehen, setzte ich mich ins WayneÂŽs Coffee im Baronen Einkaufscenter. Ich aß einen Salat, dazu natĂŒrlich den geliebten Morotskaka und einen Latte mit Karamel. Dann ging ich zum Parkplatz und wollte noch paar Sachen wegbringen, weil die Sonne echt heiß war. Davor gab es einen richtigen Wolkenbruch. Dementsprechend war auch die Luft, die schwĂŒl und drĂŒckend wirkte. Ich ruhte mich einfach erst mal eine halbe Stunde aus, nachdem ich merkte, wie mein Kreislauf rebellierte. Ausgeruht wollte ich eigentlich ja starten, packte alles zusammen, dann kam mir der nette Herr aus? ja woher eigentlich entgegen. Na jedenfalls kurz vor der NiederlĂ€ndischen Grenze. Da kommt er her, hatte er im GesprĂ€ch erwĂ€hnt. Wir redeten schon kurz in der Turistinfo und dann draußen am Hafen ĂŒber unsere Fahrten. Und nun auf dem Parkplatz plauderten wir wirklich viel ĂŒber die Erlebnisse, die hinter uns lagen. Es war sehr interessant wie er erzĂ€hlte und voller Informationen, auch lustig vor allem aber sehr nett. Er ist 73 Jahre alt und hatte wirklich schöne Erinnerungen seiner lange zurĂŒckliegenden Reisen preisgegeben. 

Auf dem Weg nach Oskarshamn, schaffte ich es in eine Einfahrt einzubiegen, wo vorher gut erkennbar Loppisskolan dran stand. Das ist so eine Sache mit den Loppis. Ich seh sie einfach nicht rechtzeitig genug und zum umdrehen ergibt sich meistens keine Möglichkeit oder ich denke mir eben, der nĂ€chste Loppis wartet ja auch noch auf mich. Ich bog jedenfalls bei strömenden Regen ab und stellte mich auf den Parkplatz und schlagartig hörte der Regen auf. Das war ja ein gutes Zeichen. Leider blieb es nur bei dem einen guten Zeichen. Es gab wieder das fĂŒr mich fortwĂ€hrend bestehende Dilemma mit Swish. WĂ€re ja auch zu schön wenn der Opi in dem Loppis, der glaube auch so alt war wie das Haus selbst, schon was von Kartenzahlung gehört hĂ€tte. NatĂŒrlich kennt er das. Aber es war so viel ZeugÂŽs in dem Haus, kein Platz wo nichtÂŽs stand. Da hĂ€tte sich ein KartenlesegerĂ€t sicher rentiert, aber ich denke, die Banken nehmen fĂŒr so ein GerĂ€t und was dazugehört, hohe GebĂŒhren. Mit Swish zu bezahlen ist eben wie bar (kontanter) und der Staat sieht dann nicht alles. Denke ich mir jedenfalls so. Ich muss definitiv auf der RĂŒckfahrt dort nochmal hin, denn es waren so viele tolle alte Sachen dabei. Ich hab extra in Kalmar den Bankomat geplĂŒndert. Haha. Vor allem fĂŒr Katrin soll ich ja was Altes mitbringen. Sie hat mir schon auf Arbeit 20 Euro dafĂŒr gegeben. Das mach ich gern, weil ich sie schĂ€tze als Kollegin und als Mensch sehr mag. 

In Oskarshamn stand ich diesmal auf Felsen weiter oben auf dem Areal. Und ich war wieder genauso begeistert wie beim 1. Mal vorigen Herbst. Das diffuse Licht, das Spiel zwischen Wasser und Himmel, sich vermischende Linien am Horizont, machen diesen Ort zu einem Lieblingsort – einer SmulltronstĂ€lle – der sich wieder einmal fest einprĂ€gt. Es gibt so viele schöne Stellen wo ich schon war, aber nur wenigen ĂŒbten diese Faszination auf mich aus wie in Oskarshamn am Ufer. So verweilte ich auch wieder bis zur DĂ€mmerung und wartete ab bis ich meine Drohne ĂŒber die Felsen fliegen lassen konnte und sie empor stieg und wunderbare Aufnahmen hervorbrachte, die ich mir immer wieder anschaue und dabei ins schwĂ€rmen gerate. Ich blieb so lange bis ich die MĂŒcken merkte. Diese kleinen Biester, nun aber schnell weg. 

Montag, 09. August 2021

 Die FĂ€hre nach Gotland fuhr 10.20 Uhr. Ich stand zeitig auf und ließ die schon gewonnene Routine den morgendlichen Ablauf gestalten. Dann bekam ich eine SMS mit der Nachricht, dass die Abfahrt sich um ca. 50 Minuten verspĂ€te. Okay, also alles entspannt. Um 10 Uhr checkte ich ein und sah die langen gefĂŒllten LineÂŽs. Es sind eben Semestern in Schweden. Ich hatte sogar ein Comfortplatz. Es war gemĂŒtlich und dann bekam ich doch Hunger, weil viele Schweden sich Essen holten und an mir vorbei liefen. Ich wollte einfach auch mal wieder warm essen und entschied mich fĂŒr Kötbullar med fĂ€rste potatis – kleine Fleischklopse mit frischen Kartoffeln, dazu Gurkensalat und rote sĂŒĂŸe Gelee-Soße. War reichlich und lecker. Das hat ordentlich satt gemacht, dass reicht fĂŒr heute. Naja, es sei denn irgendwo gibt es Eis. Und in Schweden gibt es ĂŒberall Eis – Glass. 2 Wassereis gönnte ich mir dann auch gegen Abend auf dem Sudersand Resort FĂ„rö. Ein coller Platz, Beachbar, Restaurang, Cafe und Reception unmittelbar nebenan und der lange Strand nur 50 Meter weit entfernt. 

Bei Ankunft wollte ich diesen auch gleich sehen und so schaute ich nach einem Pfad hinĂŒber zum Ufer. Hier konnte man sich ein geheimes PlĂ€tzchen suchen, es wirkte so vertrĂ€umt und wie aus einem Vintagemagazin entsprungen. Der Strand ist herrlich weich, der Sand sehr fein. Hier kann ich durchaus barfuß laufen, ich bin da sehr empfindlich, jedes kleine StĂŒckchen Muschel oder Steinchen drĂŒcken an meiner Fußsohle. Ich packte schnell paar Sachen zusammen und legte mich an den Strand. Ins Wasser wollte ich dann aber doch noch nicht. Erstmal ankommen.  

Dienstag, 10. August 2021

 Ich lugte aus den Fenstern und sah schon Leute vor ihren Wohnmobilen sitzen und das Gesicht in die Sonne halten. Wie spĂ€t es wohl sein mag, etwa schon Mittag? Nein, es war kurz vor 9 Uhr. Mit meinem Kaffee und einer Schale Zimtos begann ich draußen ebenso den windigen aber sonnigen Tag. Kein großer LĂ€rm nur der Wind war zu hören und die ans Ufer klatschenden Wellen. Aber das war ja ein Genuss fĂŒr die Ohren. Gegen Mittag beschloss ich doch etwas aktiver zu werden und fuhr in Richtung Naturreservat Langhammars. Vorher nahm ich aber die Route zum FĂ„rö-Museum und zum Bergmann-Center. Die kleine Insel FĂ„rö bei Gotland entdeckte Ingmar Bergman 1960 beim Dreh von „Wie in einem Spiegel“ – ursprĂŒnglich als Sparmaßnahme, denn die Orkneyinseln waren zu teuer. Doch die karge Landschaft berĂŒhrte den Regisseur so stark, dass er sich hier ein Haus und ein Filmstudio baute und bis zu seinem Tod 2007 auf der Insel lebte. Das Haus des Regisseurs ist in Privatbesitz und steht bisher nur auserwĂ€hlten KĂŒnstlern und Autoren offen. Im FĂ„rö-Museum wurde gerade eine FĂŒhrung gemacht und ich hörte einfach gespannt mit zu. Aber auch um die Aussprache zu hören, natĂŒrlich verstand ich nicht alles, dafĂŒr hatte ich ja einen MuseumsfĂŒhrer in Deutsch. Am Eingang war noch eine Ă€ltere Frau und sie war sehr erstaunt, dass ich beide FĂŒhrer haben wollte, in tysk och svensk. Dann kam sie noch mal auf mich zu und sagte, dass es sich gut anhört wie ich spreche, das Wenige was ich halt kann. Ich sagte das ich bei meinen Reisen immer weiter schwedisch lerne . Dann tuschelten die beiden Museumsdamen, wĂ€hrend ich mich ins GĂ€stebuch des Museums eintrug, ich hörte ….tyska (die Deutsche). War wieder schön, einen kurzen Eindruck hinterlassen zu haben. Weiter ging es ins Naturreservat. Die karge, verlassende Fischerstelle Helgomannen war nicht so verlassen wie ich angenommen hatte. Heute, schien mir, wollten alle Touristen der Insel auch diesen Ort sehen. Beeindruckend war er schon mit den alten Katen, die nebenbei aber auch noch zum Fischfang betrieben werden. So waren auch einige davon frisch geteert oder mit Holzfirnis lackiert, das in der Sonne weich war und heruntertropfte. Davon bekam ich irgendwie was ab und der strenge Geruch hing mir noch lange in der Nase. Endlich war es weniger mit dem Gewusel von Menschen und ich konnte doch noch die Drohne starten. Noch verrĂŒckter war es an den riesigen Kalksteinfelsen, die unweit am Kiesel- und Steinufer standen – die RaukomrĂ€de von Langhammars, kein Felsen der nicht belegt war oder irgendwie in einer bestimmten Position fĂŒr Fotos umstellt war. Somit gelang mir auch kein Foto wo Menschen nicht drauf sind. Na egal, bin ja auch dahin gekommen um diese Naturschönheiten zu bewundern. 

Mittwoch, 11. August 2021

 FrĂŒh nach 10 Uhr gab es bei mir heute mal getoastete Vollkornschnitten. Heute beschloss ich wirklich mal nichts zu tun was mit körperlicher BetĂ€tigung zu tun hatte. Gegen Mittag packte ich meinen Klappsessel ein und noch einige Sachen fĂŒr den Strand und in 2 Minuten saß ich am feinen Sand und ging auch gleich ins Wasser. Herrlich, diese AbkĂŒhlung tat gut, die Sonne hat ja eine Kraft aber die Temperaturen mit 21°C und der laue Wind tuen einfach gut – fĂŒr Körper und Psyche. Trotz des heraufziehenden Gewitters, ich packte meine Sachen einige Male zusammen, dann wieder aus, dauerte es lange bis die Sonne sich verdunkelte. Aber die Schweden haben ein so entspanntes GemĂŒt, da rennt keiner gleich los, es wird lange abgewartet. Das tat ich auch. 

Donnerstag, 12. August 2021

Heute gehtÂŽs weiter. Richtung Ostseite von Gotland, zum Aminne Campingplats. Genauer gesagt zwischen Slite und Gothem. Auch er liegt genau an der Ostsee. Mit der FĂ€hre am Farösund hatte ich GlĂŒck, konnte ich noch als letztes Wohnmobil mit drauf fahren. Aber es fahren 2 FĂ€hren hin und her, wahrscheinlich im 10 Minuten Takt. Es kommen echt viele Touristen auf Farö. Aber es sind definitiv mehr Schweden, Deutsche kommen nicht so viele hier hoch. Sagte auch die Frau im Farömuseum. So ging es zackig ĂŒber den Farösund und erst mal an die Tankstelle. Die erste FĂŒllung in Schweden. Der Tank war knapp unter halb der Anzeige. Nun Richtung Aminne. Aber da ich ja spontan bin, hielt ich am Bungemuseum. Dort wurde ein Dorf aus dem 17. Jahrhundert nachgestellt mit wirklich alten, richtig alten Sachen. Ich glaube auch die HĂ€user waren schon so alt oder mit sehr alten Materialien nachgebaut. Es war wirklich interessant. Manches mal gruselte es mich ein wenig, ich fĂŒhlte mich in den Horrorfilm „Midsommar“ von Ari Aster hinein versetzt. Jedenfalls war eine Art Magie zu spĂŒren, die ich aber nicht weiter verfolgte. Dann holte mich die RealitĂ€t zurĂŒck und ich begann darĂŒber nach zu denken, wie schwierig und mit viel Arbeit verbunden diese Zeiten wohl gewesen sind. Einmal mehr merkt man einfach den aller grĂ¶ĂŸten Luxus der heutigen Zeit. Ich schĂ€me mich fast der materiellen Dinge, die ich besitze. Aber was am meisten zĂ€hlt ist die Gesundheit. Ohne sie ist Alles nichts. Auf dem weiteren Weg konnte ich tatsĂ€chlich doch mal wieder die Einfahrt zu einem Loppis erwischen. Ich fuhr auf einen Hof mit einigen GebĂ€uden. Viele HĂŒhner kamen mit gleich entgegen und umringten mich. Dann waren da auch kleinne flauschige KĂŒken und Enten. Dann ein Beagle-MĂŒnsterlĂ€nder Mix, der wollte auch gestreichelt werden. Dann kam Christina gleich mit den Worten entgegen, sie sei mĂŒde. Ja, toll. Aber das ist vielleicht so ihre Art. Ich schaute mich in den beiden kleinen RĂ€umen draußen um, fand aber nicht wirklich etwas. Nur 2 kupferne Kuchenformen und einen winzigen Engel mit Flöte nahm ich mit. Der Anfang ist gemacht. FĂŒr Katrin. Dann war es aber auch schon halb 4 Uhr. Ich hab mich lĂ€nger mit Christina unterhalten als ich im „Floh“- Haus war. Denn Loppi heißt Floh ĂŒbersetzt. Wir unterhielten uns bara lite svenska, tyska och engelska und verstanden uns doch irgendwie. Sie wird im nĂ€chsten Jahr 60 Jahre alt. Aber sie wirkt bei weitem jĂŒnger. Aber auf den Beinen ist sie nicht mehr gut und braucht einen Rollator. Dennoch war es ein schönes Zusammentreffen auf ihrem Hof. Als ich mich auf den Weg machte fiel mir ein, sie war doch mĂŒde als ich ankam, oje, da hab ich sie vielleicht doch vom Middagssova – Mittagsschlaf abgehalten?

 

Am Campingplatz angekommen entschied ich mich gleich zum Strand zu gehen, aber vorher habe ich noch einen großen Kaffee getrunken aus der neuen Gotland-Tasse. 2 Stunden aalte ich mich in der Nachmittagssonne und ging mich abkĂŒhlen. Ganz feiner Sand hier. Toll. Aber  im Wasser waren Quallen. Keine berĂŒhrte mich, gut so. Draußen auf der Decke cremte ich mich gut ein, aber dann stachen mich immer wieder so kleine Fliegen. Um 19 Uhr fiel mir ein ich könnte ja mal was essen gehen. Ich ließ mir im Restaurang eine schöne Hawaiipizza schmecken. Sie war dĂŒnn und auch nichts besonderes. Geschmeckt hat sie trotzdem nach einigen Stunden am Strand und im Wasser. Da war ich auch erstmal lange, lange satt davon.