Lappland – Norrbotten län

das 1. Mal … der Anfang

Sonnabend, 1. Februar 2020

Am nächsten Morgen also erst einmal ausgeschlafen so gut es ging. Genügend gefrühstückt und dann die Gegend erkundet, wo denn mein Treffpunkt für den Abend um 18 Uhr sein wird. Der Meetingpoint war am Ripan Hoteldorf. Von dort sollte die Gruppe nach Abisko starten. Es sollte ein 3-Gänge-Abendmenü geben und dann zu Fuß oder je nach Wetterlage mit dem Auto in den Abisko Nationalpark. Beim Erkunden der Gegend herrschte Schneegestöber, so dass ich wirklich schauen musste wo ich hin trat, gute Wege waren schwer sichtbar. Alles weiß. So eine Menge Schnee hab ich vielleicht mal als Kind in den Jahren 1984/85 gesehen. Endlich war ich am Ripan Hotel angekommen und überlegte mir, wann ich denn zeitig genug los musste. Nach den Strapazen der Anreise ruhte ich nachmittag noch auf meinem Zimmer.

Um pünktlich zu sein bin ich schon relativ zeitig runter in die Eingangslobby gefahren. Mein Zimmer lag im 3. Stock. Dort noch einige Latte Macciato und heiße Milch getrunken um dann gut warm verpackt in Thermosachen loszustapfen. Ich war also mehr als zeitig am Treffpunkt und etwa 10 Minuten nach 18 Uhr sah es noch nicht wirklich so aus als komme jemand mich abholen weder noch andere Teilnehmer. Ich fragte in der Rezeption und sie erkundigten sich. Der Fotoguide war am Hotel Scandic. Naja dann. Es sollte noch 5 Minuten dauern und er kam angefahren. Keine Ahnung wo der Fehler lag. Jedenfalls begrüßte mich Åke herzlich. Und dann fuhren wir ins 1,5 Autostunden entfernt Abisko. Dort aßen wir das besagte 3-Gänge Menü in der Mountain Lodge. Echt satt und gespannt ging es in den Abisko Nationalpark. An einem guten Hotspot für die Norrsken – die Nordlichter, Polarlichter oder die Aurora Borealis. Nach echt anstrengendem Lauf durch den tiefen Schnee mit Stirnlampen und Fotoequipment ausgerüstet, warteten wir eine echt lange Zeit jedoch ohne Erfolg.

So ist das eben mit Naturphänomenen. Aber für mich war es trotzdem ein Erfolg weil Åke mir soviel Tipps für meine Einstellungen an der Kamera geben konnte. Zurück, natürlich auch nach einer 1,5 Stunden Fahrt war ich dann auch platt um Mitternacht rum im Hotel angekommen. So viel Bewegung war ich ja gar nicht gewohnt….haha. Ein bisschen verärgert hatte ich aber dann doch den hohen Preis für so ein Erlebnis im Hinterkopf. Denn ich saß mit Åke im Restaurant, wir aßen ein 3-Gänge-Menü und ich dachte nur: „das ist ja fast wie ein Blind Date“. 😅 Tja, Erfahrungen wollen gesammelt werden. Aber da ich die Buchungen diesmal dem Reisebüro überließ, weil ich ja das erste Mal überhaupt geflogen bin. Alle anderen Activities wie die Husky Safari Trap Line Tour und der Besuch bei den Sapmi mit den Rentieren waren ihren Preis voll wert. Und ließen mich einige Male sprachlos werden….aber dazu später

Sonntag, 3. Februar 2020

Den Sonntag habe ich mit schönen Wanderungen durch Kiruna und durch den Gruvstadsparken verbracht, viele viele Fotos gemacht und einfach die Gegend mit dem vielen Schnee bewundert.

am Abend des 2. Februar 2020

Für morgen früh war der Treffpunkt um 9:15 Uhr für die Husky Safari Trap Line-Tour angesetzt. Also wollte ich zeitig schlafen gehen. Ja, wollte ich. Aber nach guten Vorhersagen auf Polarlichtaussichten, dachte ich, ja, warum nicht jetzt, wann dann. Also verpackte ich mich gut um die vorhergesagten -15° Celsius zu ertragen und packte meine Ausrüstung zusammen und so stapfte ich um 21 Uhr los. Etwas außerhalb von Kiruna am Aussichtsberg angekommen, dachte ich noch es sei zu viel Lichtverschmutzung ringsum also viel zu hell durch die Stadt. Da flimmerte doch etwas grünliches am Himmel und ich dachte noch, das sind nur Reflexionen vom Fjäll. So hatte es Ake mir erklärt. Dann stellte ich die Kamera mit Stativ ein. Und tatsächlich, die Norrsken tanzten erst schwach, dann mal mehr und weniger am Himmel hin und her. Jedenfalls konnte ich auf den Bildern eindeutig sehen und am Himmel in Echt – JA es waren die Polarlichter. Wahnsinn. Im nachhinein ärgere ich mich nur über die nicht ganz so professionellen Fotos. Aber für das erste Mal so was zu erleben sind sie doch recht passabel geworden. Da kommt eben der Perfektionist durch. Immer wieder betete ich den Himmel an, immer weitere Lichter zu zeigen. So konnte ich fast nicht aufhören zu warten und ruckzuck war es auch schon 0:30 Uhr (trettio minuter efter midnatt). Meine Zehen waren schon jenseits von Gut kalt und Böse erfroren. Also gab ich mir einen Ruck und marschierte zurück, denn der Rückweg waren zwar nur 2 Kilometer, aber ich war so geflasht vom Glücksgefühl über die Polarlichter, dass ich mich verlief. Aber egal, jedenfalls landete ich dann um 1 Uhr im Bett. Platt vom Laufen aber superglücklich.

Zitate Goethe Reisen

Montag, 3. Februar 2020

Am frühen Morgen kletterte ich aus dem Bett, mit Wechselduschen von warm zu kalt, dann kurz eiskalt wurde ich wach und ging um 8 Uhr zum Frühstück. Ja, Kaffee wurde zum wichtigsten Morgen – Mittags und Abendtrunk. Schweden liegt mit an vorderster Stelle im weltweiten Kaffeeverbrauch. Abgeholt wurde ich vom Taxi Kiruna und zum Icehotel in Jukkasjärvi gebracht. Zeitig dort, konnte ich mich noch gut umschauen und war beeindruckt was aus Eisblöcken hier so geschaffen wurde. Im Frühjahr taut alles wieder und fließt in den Fluss zurück. Dann kam mich der Huskyguide Bert Ove abholen und wieder war ich die Einzige für die Tour, was im nachhinein aber auch super war.

Der Bert Ove Johansson vom B-O-Outdoorservice fuhr mit mir zum Haus wo die Zwinger der Husky´s waren. Er erklärte mir einiges für den Anfang, und macht erst mal die Hunde bereit. Legte ihnen die Geschirre an. Ziemlich schnell wurde mir klar, dass ich den Schlitten allein fahren musste. Also doch, ich als Musher. 😲 😇 Aber was nun kam, wird mich mein ganzes Leben von nun an begleiten und es war ein so einschneidendes Glücksgefühlschaos in mir, dass ich es kaum fassen konnte. Es machte mich einfach sprachlos vor Glück. Zuerst aber mal starteten wir, jeder also Bert Ove und ich, hatten 6 Schlittenhunde, und obwohl sie recht schmächtig aussahen, hatten sie eine Power und fast unbändige Kräfte. Bert Ove hatte Recht, die Husky´s geben das Tempo vor, ich kann nur balancieren nach Rechts oder Links und bremsen. 2 Mal landete ich im tiefen Schnee, das Gespann fuhr weiter. In einiger Entfernung wartete dann Bert Ove mit meinen Husky´s auf mich. Das Bremsen, also auf dieses Pedal in der Mitte des Schlittens zu treten und somit das Tempo zu drosseln, war nicht so einfach. Die Kufen waren vereist. Denn im Moment wenn man den Fuß von der Kufe hoch nimmt, muss man den Schlitten ausbalancieren um nicht nach den Seiten in den Schnee zu donnern. Puh, war das aufregend. Ein Tempo von 15 – 20 Kilometer pro Stunde waren angesagt. Aber dann, als ich alles schaffte und meine anfängliche Verkrampftheit einer Entspannung wich, war ich von der Natur, der Stille, dem eigentlichen Erlebnis überhaupt und das ICH in Lappland auf einem Hundeschlitten selbst fahre, so unfassbar überwältigt. Meine Glücksgefühle erlösten sich in Tränen. WOW Nach gut 12 Kilometern Fahrt kamen wir an eine kleine Hütte mitten im Wald. Bert Ove bereitete in einer kleinen Feuerstelle ein Feuer, machte Suppe und Tee warm. Wir aßen Suppe, sie war so lecker, ein Eintopf mit Kartoffeln, grünen Bohnen und Lachs. Er hatte sie selbst gekocht, ich fragte vorher ob seine Frau sie zubereitete. Denn er erzählte mir, sie komme aus Stuttgart. Ich fragte viel und Bert Ove war geduldig mit mir, weil ich nicht immer alles verstand.

Es war wieder diese Einfachheit in der Hütte, wo man eine Zufriedenheit spürte, im nachhinein, habe ich sowas schon mal ähnlich empfunden. Als ich mit Brix und Chiyo in unserem Wald, der in einem Jahr tatsächlich mal verschneit war, ging und mir warme Suppe in einer Thermoskanne und heißen Tee mitnahm. Ich setzte mich damals in den Jägerstand und beobachtete die Hunde, wie sie übers Feld tobten. Das war auch so einmalig schön. Nach dem Essen unternahmen wir noch eine Schneeschuhwanderung rund um die Trap Line von Bert Ove. Er zeigte mir die Fallen für Baummarder. Diese können Bäume auch so sehr beschädigen, dass sie absterben. Dann sorgte eine lustige Verwechslung für ein Lachen. Bert Ove erzählte mir, auf schwedisch, das der Auerhahn kommt und vom Baummarder gefressen wird. Ich dachte, es sei andersrum. Wäre ja auch ein zu komisches Bild wenn der Auerhahn den Baummarder frisst. Der Auerhahn ist auch das Wappentier in Kiruna.

Zurück zu ging es wieder durch so eine fantastische Natur mit verschneiten Bäumen weit und breit. Einige Male hopste ich mit dem Schlitten auf und ab und die Strecke war dann auch noch mal 8 Kilometer lang. Zurück im Hotel setzte ich mich in die gemütliche Hotellobby mit vielen Sofa´s zur Auswahl. Trank erstmal gleich einen Latte Macciato und eine heiße Milch und schaute auch gespannt die wunderschönen Bilder und Video´s durch.

Dienstag, 4. Februar 2020

Ich hatte noch gut Zeit ein bisschen durch die Stadt zu schlendern, denn heute war Treffpunkt um 13 Uhr und diesmal ging es im Schlitten von einem PS starken Schneemobil gezogen, zum Sapmi Dorf. Das war ein Erlebnis der Extraklasse. Superdick eingepackt aber trotzdem noch beweglich, wurden wir als Gruppe von 15 Leuten durch den Wald gezogen. Völlig ruhig und die Natur und das einmalige Licht genießend, filmte ich die Fahrt. Es war nur das Knarzen des Holzschlittens zu hören. Im Dorf angekommen, erzählt uns die junge Sapmi interessante Geschichten zu den Rentieren. Wir fütterten sie mit Flechten und sahen zu wie sich einige Ränkespiele abspielten. Diese Raufbolde. Die Tiere sind echt knuffig und das Fell ist gar nicht struppig obwohl es so aussieht. Man konnte ein kleines Rennen veranstalten. Ich schaute nur zu, denn die Huskytour steckte mir noch in den Knochen und ich hatte Muskelkater. Im Sapmizelt oder einer Jurte wurde Feuer gemacht und wir setzten uns ums Feuer ringsherum auf die Rentierfelle. Es war urig und gemütlich. Endlich tauten auch die gefrorenen Zehen ein wenig auf. Viele witzige und lehrreiche Geschichten wurden erzählt über das Volk der Samen. Nebenbei hat sie in einer großen Eisenpfanne Rentierfleisch gebraten. Das wurde jedem in einem Fladenbrot gereicht mit einer sehr leckeren Beerensoße. Auch warmen Tee bekam jeder. Und dann war es da wieder, dieses einmalig tolle Gefühl und das noch nicht ganz fassbare Erlebnis in Nordschweden, in Lappland in einem Samizelt auf Rentierfellen im tief verschneiten Wald zu sein. IRRE SCHÖN.

Die Rückfahrt im dunklen, sehr eisigen Wald war ebenso imposant wie alles andere an diesem Tag. Auf der Fahrt zum Hotel erzählte uns der Sami es sei heute um 23 Uhr eine gute Chance auf Polarlichtsichtung. Ich dachte: okay, aber nochmal an den Stadtrand zu laufen…ich wusste nicht so recht. Dann schaute ich aus meinem Fenster im Hotel, und was war das da??? Eine grüne Wolke? Oh, Oh….. ich packte Stativ und Kamera und zog noch schnell Stiefel und Jacke an und fuhr in den 5. Stock zum Aussichtsbalkon. Und tatsächlich, tanzten die Polarlichter nochmal bei sternklarem Himmel am letzten Abend für mich.